Heimeligkeiten


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20101213



20101213: Die Herstellung dieses Bildes war mit Stress verbunden. Es wollte und wollte nicht rund werden. Immer mehr Elemente, weitere Striche wurden notwendig. An den Stellen, an denen zu viele Striche notwendig wurden, sodass ich abbrechen musste, obwohl noch weitere nötig gewesen wären, blieb bzw. wurde das Bild hässlich. Es begann mit einem Flügel, am Ende kam ein Protagonist hinzu (um den Flügel miteinzubeziehen: Dieser ist Pianist). Im Bild ist er in erster Linie Suizidist. Mögliche Titel des Bildes: "Chop Suey" (als Hommage an SOAD) oder "ein Wal und anderer Unrat aus den Großstädten".
Ich tue mich schwer, irgendeine Stelle der Heimeligkeit in dem Bild zu finden. Ein wohnliches Haus ist schwer zu finden, der Wolkenkratzer dominiert, eignet sich nur zum Herunterspringen. Die einzig heimelige (weil ruhige) Stelle im Bild: am Galgen. Auf dem Wolkenkratzer weht frische Luft. Ahnung der fallenden Blume. Dann: Das Haus kippt. laus ko Ni vom Haus das war Das. Die Grenze zwischen den "Reizflut"-Bildern und den "Heimeligkeiten" verschwimmt zunehmend. Fast bereue ich die Einteilung, mindestens die Namensgebung. Auch der Unterschied, den das Format gemacht hat, schwindet zunehmend. Acrylfarbe bleibt als Unterscheidungsmerkmal. Blumen, Häuser vom Nikoläuser, Dorf rutscht ab, das Landleben im vereinzelten Grün der Parks, Durcheinander (hässliches) der Großstadt, Mensch darinnen und anderer Unrat:
die Fische aus dem Abwasser, fünf Blumen, fallende Blume (Thanatos), ein Wal (identisch mit der fallenden Blume) + (stinkt nach Fisch [gehört zu den Abwasserfischen], gebährt tote Ratten [ich weiß, man sieht es ihm nicht an]), der Bengel dahinter (mit dem Kochlöffel)(Anarcho), eine Fehlinformation (das Seewasser ist nicht kalt [geschweige denn erfrischend .. außer ein bisschen vielleicht]), der schwere Gedanke (hässlich), eine Melodie am Flügel (in der selben Farbe) untermalt den Verkehrsmonoton (der Verkehr ist nicht dargestellt, wohl aber Menschen, die an einer Ampel stehen [nicht aber die Ampel selbst, nur ihr Licht]), ein Mensch (der Protagonist), der an der Ampel gestanden hat (oft und lange genug), er atmet den Rest (=n-x), der Reißverschluss im Weltscheinganzen (missglückte Darstellung), das Abwasser kann fliegen, der Protagonist auch, er ist fünf Mal im Bild (so oft wie die Blume), einmal als Bengel (aber das ist er nicht wirklich [zwei der fünf Blumen sind sich auch nicht wirklich]), vier mal noch, von früher: in der Stadt, die Blume war noch im Kübel, auf dem Dach, kurz vorm Aufschlag (zehn Zentimeter überm Gehsteig [Einkaufsstraße, Schaufenstermusik]), am Galgen (da ist es warm und ruhig), die Blume ist ganz froh (sie ist nett [so wie das Haus vom Nikolaus]), sie ist der heilige Geist (verseuchte Taube [nicht weiß, durchsichtig]), Treppe führt nach oben, Fallweg nach unten.
Reizflut (life sucks) - Tiefe (Thanatos) - Heimeligkeit (Tod). Reizflut (Hitze) - Tiefe (kalter Hauch) - Heimeligkeit (Wärme).
Fünf (wieder) Blickfenster. Weil's schön ist. Zusätzliche Blicklenkung. Die Striche lenken die Blicke, die Fenster lenken die Blicke. Vorgehen beim Zeichnen: Irgendwelche Linien aufs Bild machen, die Linien hässlich finden, immer neue Linien machen, die die (noch hässlichen) Linien auf dem Bild schöner (rund) machen sollen. Solange das Blatt leer ist, besteht keinerlei notwendig, es zu füllen (es sei denn, man will Gott spielen, Schöpfer sein [der Künstler will das]), mit dem ersten Strich auf dem Blatt aber werden alle weiteren notwendig. Das fertige Bild ist das Ergebnis der bejahten Möglichkeit des Bildes überhaupt und aller daraus mit Notwendigkeit folgenden Schritte.



20101206



20101206: "Was Kunst ist, wissen Sie ebensogut wie ich, es ist nichts weiter als Rhythmus." Schwitters bringt es auf den Punkt. Ich brenne darauf, will daran anknüpfen, irgendwann einmal, bald, eine, etwas gleich einer Ästhetik schreiben, will den Gedanken fortführen, Hausbauen. Ein Kunstwerk ist das Ergebnis seines Entstehungsprozesses, dieser ist rhythmisch (gut-rhythmisch?) oder das Kunstwerk ist scheiße. -Bruch- -Gedankensprung--: Der Text für 20101021 sollte für alle folgenden Bilder der Reihe gelten. Tut er doch nicht. Nötigt der Prozess?? Es gibt Veränderungen (Verschiedene), Entwicklungen (Entschiedene). Also, der Form als Triptychon wird nicht mehr wie bei 20101021 vorgeschrieben gefolgt. Zwar ist 20101206 wieder ein Triptychon, jedoch erstens nicht mehr in der Form wie bei 20101021 beschrieben und zweitens nicht mehr mit der selben Entschlossenheit. Das eigentliche Bild soll vielleicht doch dasjenige sein, das hier vor mir an der Wand hängt (das Original, links) und die Dreiteilung des digitalisierten Bildes dient mehr der Kompensierung all dessen, was mit der Digitalisierung verloren gegangen ist. Vor allem bei der Blickführung muss nachgeholfen werden, hierin sehe ich den Hauptzweck der Bildteilung. Verfluchtes Bildschirmrechteck!, - als sei der Sichtfeldrand der Augen nicht schon eng genug! Hierin versteckt sich womöglich eine neue Deutung der schwarzen Rahmen, der Traumfenster. Heimeligkeiten. Der Titel von 20101021 war übrigens "Es regent.", aber der war nicht so wichtig. Der Titel von 2010120 ist "Der Einsiedler". Dieser ist wichtig (wieder Blickführung)! Lassen wir aber die Kirche im Dorf, es gibt noch andere Dinge im Bild. Das Vokabular hat sich geweitet, dabei: Der Kern, die wichtigsten Dinge sind wieder da: Blumen, Häuser, Wiesen und Felder, Himmel und Wasser, die Sonne, viel Luft und Weite. Hier aber doch unendlich mehr Inhalt als in 20101021. Fast schon thematisch das Bild. Der Pirat auf seinem Schiff, dem Wellenkamm, mit seinen Kanonen, feuert!, die Totenflagge, das entfernte Dorf, die erwähnten Wiesen, Felder, der Einsiedler in der Mitte(!), tief, daheim, dort, wo es schön ist. Die Fische im Meer, die Jungfrau am Bug. Der Mast, Segel, vorwärts mit der Flut!, die Blume (auch) in der Mitte (und zwei weitere), Vormarsch der Farbe! Der Pirat, Steuermann! Er lässt dich nicht in Ruhe! Das Dorf liegt still, doch es bleibt: öffentlicher Ort. Der Einsiedler alleine sitzt am Kamin und findet Feuer warm, nicht zu heiß, hat Abstand genommen, wohnt.



20101021



20101021: Die Reihe "Heimeligkeiten" ist als Versuch zu sehen, die Reihe "Tiefen" fortzusetzen. Die Bilder der Reihe hätten auch weiterhin dem Begriff "Tiefen" untergeordnet werden können, denn alles, was für die "Tiefen" gilt, gilt auch für die "Heimeligkeiten". Mit dem Wort "Heimeligkeiten" ist aber ein Begriff gefunden, der die Bezeichnung "Tiefen" einerseits erweitert, andererseits die Position des Betrachters verlagert. Um in die "Tiefe" sehen zu können, muss man sich gleichsam "über" dem Bild befinden; um die "Heimeligkeit" darin zu finden und zu spüren, muss man sich mehr darin hineinversetzen. Allerdings wollten die "Tiefen" auch nichts anderes, als den Betrachter ins Bild hineinziehen und die Bilder der Reihe "Heimeligkeiten" können es auch nur durch "Tiefe" zustandebringen, den Betrachter in ihr Inneres zu locken. Die Begriffe beschreiben bloß zwei Seiten der selben Sache, nämlich die Raumwirkung im Bild.
Diese Raumwirkung ist schon immer ein Zusammenspiel der Linien im Bild, ihr Verlauf im Verhältnis zu anderen Linien, ihre Dichte oder Entfernung voneinander. Zusätzliche Raumwirkung kann durch erkennbare Objekte oder wenigstens Ähnlichkeiten zu Dingen, die der Betrachter aus der eigenen Erfahrung kennt, entstehen. Die erste, die prinzipielle Wirkung der Bilder aber (und die Wirkung ist Tiefe und Heimeligkeit) setzt bloß den Raum selbst voraus. Dinge, die im Raum selbst erkannt werden können, bleiben zunächst einigermaßen offen. Allerdings gibt es einige Objekte, die ich wiederholt gerne in Zeichnungen einbaue. Möchte man die Linien, die bloß raumerzeugend wirken, die "Grammatik des Bildes" nennen, so wären die wenigen Objekte, die sich explizit im Bild finden lassen, Realisierungen des "Vokabulars des Bildes". Die Bilder genügen hiermit dem Anspruch, dem Betrachter (dem Adressaten der Wirkung) möglichst leicht zugänglich zu sein.
Das Vokabular der Bilder ist in etwa das folgende: Häuser ("normale" Häuser und Hochhäuser, wobei die "normalen" Häuser das Gefühl der Heimeligkeit geradezu verkörpern [das Haus ist damit auch meist zentraler, wenn auch nicht notwendiger, Bestandteil der "Heimeligkeiten"); mit den Häusern: Fenster, Türen, Dächer, Kamine, Regentonnen; Burgen und Schlösser (gewissermaßen als Übersteigerung der Häuser ..); mit den Schlössern: Türme, Zinnen, Tore; Blumen (in verschiedener Größe vor allem geeignet zur Erzeugung einer zusätzlichen Raumwirkung); Strichmännchen, etwa mit Spazierstock, Hut oder Eimer; und Landschaftliches, das sich dem bloßen "Raum-sein" in der Bedeutung der Striche annähert, wie: Wolken, Regenwolken, Regen, Himmel und Felder, Sonne, Sonnen, Wind, Sturm, Wasser ... Licht und Schatten, Kälte und Wärme ...
Das letztgenannte Gegenteilpaar allerdings ist schon so sehr ein inhaltliches, dass es die bloß formgebenden Striche überhaupt nicht mehr vermögen, es darzustellen. Hierfür ist vor allem das Weiterdenken der Tiefe, das Hineinträumen in die Bilder vom Betrachter gefordert. Einzig durch die Farbe, die bei den "Heimeligkeiten" als Versuch der Weiterentwicklung der "Tiefen" hinzukommt, könnte in Richtung der Empfindung von Kälte und Wärme (und letztlich ist ja auch Tiefe und vor allem Heimeligkeit ein Gefühl, eine Empfindung) ein Hinweis gegeben werden. Diese Erweiterung versucht die Reihe "Heimeligkeiten" im Fortschritt zu den vorangegangenen Zeichnungen. Neben der Addition der Farbe zu den Bildern ist ein kompositorisches Element hinzugekommen: Waren es bei den "Tiefen" noch Einzelbilder, sind es jetzt Triptychen, deren drei Teile der folgenden Form gehorchen: In der Mitte das größte Bild, dieses ist der Ausschnitt aus dem ganzen Bild, bei dem die Tiefe "am meisten zieht", der darum "am heimeligsten" ist (meistens in etwa die Bildmitte, oder der Teil, an dem am wenigsten leere Fläche vorhanden ist), links davon das ganze Bild, aber kleiner als das Mittelbild des Triptychons, und als rechtes Bild, in etwa so groß bzw. klein wie das linke, ein anderer Ausschnitt aus dem Bildganzen, eine kleine Nebenausführung, sie sprengt die festen Grenzen, den starren dunklen Rahmen des mittleren Bildausschnitts. Das neue und eigentliche Bildganze bildet das Triptychon. Das linke Bild ist nur das ursprüngliche Bildganze, ein Zwischenschritt in der Entstehung des Bildes (Bei den "Tiefen" war hier Schluss). Die schwarzen Rahmen der drei Einzelbilder sind Traumfenster, sie umschließen das Bildinnere und endlich auch den Betrachter, wenn er sich dort hineingefunden hat.


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right
Es sei denn ...